Jahrgänge


Das Weinjahr 2016

Ein wunderbarer Spätsommer führte zum glücklichen Ausgang eines turbulenten Jahres!

Bereits jetzt begeistern die noch jungen Rieslinge mit strahlender Frucht, Eleganz, Saftigkeit und einer gut integrierten Säurestruktur. Allem voran zeigen sich Aromen, die an Pfirsich, Zitrusfrucht, rote Johannisbeere, Cassis und vieles mehr erinnern. Jeder Riesling hat seine eigene Persönlichkeit. So ziehen sich auch die Charaktere unserer Lagen Graacher Himmelreich, Graacher Domprobst und Wehlener Sonnenuhr wie gehabt als roter Faden durch unsere Kollektion.

In erster Linie konnten wir Kabinette und Spätlese ernten, in kleineren Mengen auch Ortsrieslinge und Auslesen. Wir freuen uns sehr über die hohe Qualität jedes einzelnen Weines!
Der Weg zu den schmackhaften Jungweinen war arbeitsreich, aufregend und fordernd.

Am 27. Mai 2016 fegte ein Hagelsturm über Teile unserer Lagen hinweg. In den betroffenen Weinbergen waren etwa 80% der Triebspitzen abgeknickt und unsere Laune befand sich im Keller. Gescheine waren weniger stark betroffen und die Ertragseinbuße letztendlich geringer als zunächst befürchtet.

Auf den recht milden Winter und Frühling folgte ein feuchtwarmer Frühsommer. Von Mitte Mai bis in den Juli hinein regnete es fast täglich. Für das Wachstum und die Nährstoffversorgung der Reben herrschten hervorragende Bedingungen. Jedoch bot die anhaltende Nässe auch lehrbuchhafte Infektionsbedingungen für Pilzerkrankungen. Aber wir hatten die prekäre Situation durch eine optimale Terminierung der Weinbergsarbeiten und viele zusätzliche Stunden gut im Griff.

Der Juli brachte die erhoffte Wetterwende und bescherte uns perfektes Sommerwetter. September 2016 soll der wärmste September seit Beginn der Wetteraufzeichnungen im Jahr 1880 gewesen sein. Die Rieslingtrauben entwickelten sich prächtig.

Am 11. Oktober 2016 konnten wir mit der Traubenlese starten. Wir freuten uns über goldgelbe, aromatische, gesunde Trauben mit recht wenig Botrytis. Im Vergleich zum Vorjahr zeigten sich die Säuren etwas moderater, aber dennoch präsent. Bis auf Regenfälle am 23. Oktober 2016 war es durchweg trocken. Wir setzten zwei Tage mit der Lese aus und warteten ab, bis die Trauben wieder abgetrocknet waren. Dann konnten wir bis zum Ende der Lese am 29. Oktober wieder herrlich ausgereifte Trauben ernten.

Weingut Willi Schaefer, Februar 2017

Das Weinjahr 2015

Glückliche Gesichter in der Traubenlese sind Zeugen eines wunderbaren Jahrgangs 2015!

Nicht nur für Sonnenanbeter war der Sommer ein Traum. Unsere Trauben reiften perfekt heran und die Vorfreude auf den Herbst war groß.

Mitte September kam dann mehr Regen als erhofft. Aber wir hatten großes Glück. Die Niederschläge nahmen bald ein Ende. Es folgten Wind, kühle Nächte und nicht zu warme Tage. Besser hätte es nicht sein können. Die Traubenschalen wurden dünner, die Reife war da, ebenso eine ansprechende Säure. Es entwickelte sich eine sehr schöne, maßvolle Botrytis, sodass wir am 01. Oktober überaus optimistisch in die Lese starten konnten.

Durch die trockene Witterung konnten wir uns mit der Ernte Zeit lassen und jede Parzelle selektiv lesen. Die am Stock verbliebenen Trauben legten noch an Reife und Aroma zu, bis wir auch diese, goldgelb und kleinbeerig, in der zweiten Lesehälfte pflücken konnten. Kurzzeitig sanken die Temperaturen auf 1°C. Auf der Schäferei lag am Morgen des 14. Oktober sogar etwas Schnee. Aber das winterliche Intermezzo war von sehr kurzer Dauer und es folgten bald wieder sonnige Herbsttage.

Es war eine große Freude, den Reifeprozess zu beobachten und wir sind dankbar, dass uns das Wetter keinen weiteren Streich gespielt hatte. Aber ein bisschen Aufregung gehört wohl zum Handwerk des Winzers dazu.

Neben unseren altbewährten Helfern bekamen wir dieses Jahr wieder Unterstützung von Familie und Freunden. Jonathan und Jakob waren ganz verrückt auf die Traubenlese. Christophs Tante Monika mit Mann Peter und Freunden ließen sich für „alpine Weinbergserfahrungen“ gewinnen. Die „Oberrotweiler Herbst-Gang“ mit Andreas Brüdern Thomas und Armin mit Freundin Katja und Winzerkollegen Siegmund haben sich als äußerst Steilhang-tauglich erwiesen, obwohl ihnen der eigene Herbst noch in den Knochen steckte.

Die letzten Riesling-Trauben wurden am 27. Oktober 2015 bei Einbruch der Dunkelheit gelesen.

Nun gären die Moste und wir freuen uns auf fruchtige Ortsrieslinge, elegante Kabinette, edle Spät- und Auslesen, gekrönt von einer Beerenauslese. Ein Jahrgang, der keine Wünsche offen lässt.

Weingut Willi Schaefer, November 2015

Das Weinjahr 2014

Auf einen außergewöhnlich milden Winter folgte der wärmste März seit 1948; bereits die zweite Märzwoche knackte die 20°C-Marke. Nach einem sehr frühen Austrieb blühten die Gescheine schon um Pfingsten bei 30-35°C perfekt durch.

Der üppige Behang und die gute Entwicklung der Trauben weckten große Vorfreude, denn die Vorjahre fielen mengenmäßig eher mager aus.

Bis Anfang August lag der Vegetationsvorsprung bei etwa vier Wochen und wir rechneten mit einem sehr frühen Lesebeginn. Aber der „Wonnemonat“ zeigte sich eher kühl und regnerisch. Die Vegetation wurde somit gezügelt und die Aromenausbildung gefördert.

Die schweren Regenfälle zum Oktoberbeginn und die feucht-warme Witterung ließen die Reife der Trauben schnell voranschreiten.

Am 4. Oktober 2014 begannen wir mit der Traubenlese. Von Beginn an musste streng selektioniert werden. Und wieder waren wir froh, unsere treue und überaus fachkundige Lesemannschaft zu haben, denn die Traubenlese war eine große Herausforderung.

Die erwartete Menge reduzierte die notwendige Auswahl erheblich. Wie die Jungweine jedoch zeigen, hat sich die Mühe gelohnt!

Die lange Vegetationsperiode führte zu einer detaillierten Aromenbildung und einer guten Traubenreife. Deshalb dürfen wir uns nun über feinfruchtige, zarte und verspielte Rieslinge freuen.

In erster Linie konnten wir Ortsrieslinge – auch trocken und feinherb – sowie Kabinette ausbauen. Trauben für Spät- und vor allem Auslesen waren rar.
So stellt dieser Jahrgang eine willkommene Abwechslung zu den vergangenen Jahren dar und wir können Ihnen wieder Rieslinge „für jeden Tag“ anbieten!

Weingut Willi Schaefer, im März 2015

Das Weinjahr 2013

Das Jahr 2013 wird als verrücktes Weinjahr mit Extremen in die Geschichte eingehen. Ein sehr langer, hartnäckiger Winter ließ dem ersehnten Frühling keine Chance. Austrieb und Blüte verzögerten sich erheblich. Bei über 30°C begannen die Reben gegen Ende Juni zu blühen. Kurz darauf sanken die Temperaturen wieder und die nass-kalte Witterung in der abgehenden Blüte führte zu Verrieselungsschäden. Der Hagel im Juni ließ schreckliche Erinnerungen an 2011 in uns wach werden. Aber die Hagelkörner waren bereits aufgeweicht und richteten nur geringen Schaden an. Es folgte ein traumhafter, hochsommerlicher, trockener Juli und August und die Trauben konnten den Rückstand wettmachen. Der nasse, recht warme Spätsommer holte die fröhlichen Gemüter wieder auf den Boden der Tatsachen zurück und sorgte für eine gewisse Nervosität. Aber das lange Warten auf den Lesebeginn bis zum 18. Oktober 2013 wurde mit einer wunderbaren Trockenperiode, kühlen Nächten und sonnigen Tagen belohnt. Die Beerenhäute waren aufgrund der vorangehenden Witterung dünnhäutig und gute Botrytis machte sich breit. Die Konzentration und Reife der Trauben nahm enorm zu, ging jedoch im gleichen Maße zu Lasten des Ertrags. In den ersten Tagen selektierten wir die hochreifen Trauben. Das Fortschreiten der Botrytis und die sehr zerbrechlichen Stiele erforderten dann jedoch eine schnelle Lese. Neben unserem treuen Helferteam mobilisierten wir weitere Freunde und Verwandte und konnten die Ernte so mit bis zu 28 Personen bewältigen und am 31. Oktober bereits beenden. Danach setzte die Kälte und auch wieder Regen ein. Die Qualität ist besser und die Säuren nicht ganz so hoch als erwartet. Wir konnten etwas Gutsriesling und Kabinett ernten. Die meisten Trauben verfügten jedoch über Spät- und Auslesequalität. Allerdings lässt die Menge sehr zu wünschen übrig, es ist noch etwas weniger als in 2010. Aber wir sind dankbar für die hochwertigen Rieslinge, die schon jetzt Finesse, Vielschichtigkeit und gute Struktur versprechen.

Weingut Willi Schaefer, im Februar 2014

Das Weinjahr 2012

Am 18. Oktober haben wir mit der Vorlese begonnen, so spät wie schon lange nicht mehr. Die ersten 10 Tage waren warm und trocken, die Nächte kühl, die Trauben gesund und die Lese verlief dementsprechend entspannt. Zuerst lasen wir die botrytisierten und vollreifen Trauben aus und die am Stock verbliebenen Früchte konnten weiter an Reife zulegen. Die selektive Vorgehensweise ermöglichte es uns, das Lesegut im jeweils perfekten Reifezustand nach Hause zu bringen. Am 28.10.2012 wurde es mit -1°C plötzlich sehr kalt, am Tag darauf fiel die Temperatur sogar auf -4,5°C. Die Stöcke verloren Ihre Blätter und die vielen kleinen Träubchen waren jetzt einfacher zu finden. Glücklicherweise folgten schnell etwas angenehmere Temperaturen, allerdings gesellte sich nach Allerheiligen wieder Regen dazu. Dank unseres treuen und flexiblen Leseteams und zusätzlicher Helfer konnten wir bis zum 6. November alle Trauben trocken und gesund ernten.
Der einzige Wermutstropfen des Jahrgangs ist, dass der Ertrag gegenüber dem Vorjahr um 30% geringer ist. Neben dem ohnehin geringeren Ansatz war die verrieselte Blüte ein Grund für den Mengenverlust. Da nicht aus allen Blüten Beeren wurden, entwickelten sich die Trauben lockerbeerig und überstanden die kommenden niederschlagsreichen Wochen kerngesund. Für die Qualität war dies ein Vorteil.
Die Nähr- und Mineralstoffversorgung der Trauben war hervorragend, die Mostgewichte hoch und die lange Vegetationsperiode sorgte für eine detaillierte Ausprägung der Weine.
Schon die Trauben und die Moste schmeckten vielversprechend. Die Jungweine zeigen sich mit hervorragender Mineralität, reifer rassiger Säure und einer ausdrucksstarken Aromatik, die von Zitrus, gelbem Pfirsich, Cassis und exotischer Frucht bis zu Kräutern reicht. Ein klassischer Jahrgang, wie wir ihn uns wünschen, mit wunderbaren Spät- und Auslesen und einem eleganten Großen Gewächs. Schade ist nur, dass es von den feinen Orts- und Kabinettweinen einfach zu wenig gibt.

Weingut Willi Schaefer, im Februar 2013

Das Weinjahr 2011

Die spannendsten Geschichten schreibt die Natur, obwohl wir auf Krimis manchmal verzichten könnten. Bereits Ende Mai blühten die Trauben, so früh wie nie zuvor, und die Gescheine entwickelten sich prächtig. Regen und Wärme kamen immer zur rechten Zeit und so konnten wir im Juli einen Vegetationsvorsprung von zwei Wochen verzeichnen.
Der nicht zu heiße Sommer mit einem ständigen Wechsel von Sonne und Wolken und wenig Regen, bot hervorragende Bedingungen für die Ausprägung feiner, eleganter Fruchtaromen und durchdringender Mineralität. Die Trauben hingen wunderschön am Stock – einfach perfekt. Der Behang war sehr gut und wir freuten uns täglich auf den Herbst.
Am 26. August 2011 wurde die Hochstimmung jedoch binnen 15 Minuten zunichte gemacht. Es hagelte tennisballgroße Geschosse vom Himmel und etwa 10 km moselauf- und abwärts von Graach wurden alle draußen stehenden Autos, viele Schieferdächer, Fenster und Fassaden zertrümmert. Zunächst befürchteten wir enorme Schäden in den Weinbergen. Etwa 15% des Behanges lagen abgeschlagen am Boden. Für die angeschlagenen Trauben am Stock folgte Gott sei Dank gutes Wetter. Zunächst wusch der Regen den Zucker aus den beschädigten Trauben aus, danach trockneten diese Trauben bei kühlem, trockenen Wetter aus. So kamen wir zumindest im Weinberg mit einem blauen Auge davon und der Hagel war nichts anderes als eine natürliche grüne Lese.
Mit der Lese begannen wir am 01. Oktober 2011. Die Tage waren oft hochsommerlich warm, die Nächte kühl. Die Trauben profitierten vom Sonnenschein und wir auch. Der Herbst war ein Traum. Die Lese erfolgte sehr selektiv und aufwändig. Wunderbare Botrytistrauben und rosinierte Trauben wurden herausgelesen. Trauben, deren physiologische Reife noch nicht erreicht war, konnten durch das hervorragende Wetter noch von der Sonne profitieren und bis Ende Oktober reifen.
Durch die hervorragenden Gegebenheiten können wir uns an einem ganz besonderen Jahrgang erfreuen. Die Säuren sind eher moderat, aber präsent und die Frucht und Mineralität sind sehr ausgeprägt. Die Jungweine versprechen große Feinheit und Eleganz bei optimaler Reife. Wir freuen uns sehr!

Weingut Willi Schaefer, Graach an der Mosel, im Februar 2012

Das Weinjahr 2010

Es war ein spannendes und auch verrücktes Weinjahr. Der lange Winter ließ uns lange zittern und die Blüte begann etwas später. Nach dem heißen Juli hatten wir jedoch im August den gleichen Reifestand wie 2009.

Der September war eher wechselhaft und prägte die Frucht und Aromavielfalt der Trauben. Da der Riesling recht gesund blieb, konnte er von den vielen Sonnentagen im Oktober profitieren. Unser Glück war wieder einmal der späte Lesebeginn an der Mosel, der dem spät reifenden Riesling und dem hiesigen Klima zu verdanken ist.

Mitte Oktober begannen wir mit der Vorlese. In der ersten Woche selektierten wir ausschließlich reife Botrytistrauben mit einer sehr sauberen Edelfäule und einer erfrischenden Säure. Das Ergebnis sind wunderbare edelsüße Weine.

Während der Lese hatten wir kühles, meist sonniges Wetter, was eine tolle Konzentration von Aromen und Fruchtsäuren brachte. Dies führte zusammen mit dem uneinheitlichen Blüteverlauf aber auch zu enormen Mengeneinbußen.

Daher liegt die Erntemenge insgesamt sehr niedrig und wir können somit nur sehr kleine Mengen an Qualitäts- und Kabinettweinen anbieten. Das ist der Wermutstropfen des Jahrgangs 2010.

Die Jungweine entwickeln sich mit ihrer ganzen Vielfalt hervorragend im Holzfass. Es gab bei uns noch nie so hochwertige Auslesen und Beerenauslesen mit einer so fantastischen Fruchtsäure.

Die Natur hat uns Spitzenrieslinge mit großer Zukunft geschenkt.

Das Weinjahr 2009

Nach einem frühen Austrieb und einem feuchten Juni hatten wir einen für die Trauben idealen Sommer. Sonne und Regen wechselten sich ab und die Trauben konnten ohne Stress heranwachsen.

Der September war sonnig und trocken. Nach Regen Anfang Oktober begannen wir Mitte Oktober mit der Traubenlese. Um eine optimale Qualität zu erreichen, wurden auch die Qualitätsweine selektiv gelesen, selbstverständlich alles von Hand.
Da ein großer Teil der Trauben zwischen 85 und 90 Grad Öchsle lag und eine gute, aber reife Säure aufwiesen, konnten wir uns viel Zeit für die Selektion nehmen. In diesem Bereich hat der Riesling noch eine sehr stabile Struktur. Da wir noch bis Anfang November gesunde, grüne Blätter hatten, konnten wir die lange Reifezeit von 120-140 Tagen voll ausnutzen. Dadurch konnten wir noch fruchtigere und aromareichere Weine ernten.

Das Wetter zeigte sich drei Wochen lang von seiner besten Seite, sodass die edlen Botrytistrauben bis zur großen Beerenauslese heranreiften.
Das Hefelager bis Ende März, zum größten Teil im Holzfass, gab den Weinen zusätzlich Charakter und trug zu einer weiteren Harmonisierung von Frucht und Säure bei.

Aufgrund seiner großen Zukunft wird sich der 2009er in die Reihe der großen 9er Jahrgänge wie 1949 und 1959 einreihen.

Das Weinjahr 2008

Auch 2008 hat uns die Natur wieder mit guten Qualitäten verwöhnt.

Aufgrund der langen Reifezeit von 120-140 Tagen und mehrerer selektiver Lesedurchgänge, auch bei den Qualitätsweinen, konnten wir sehr fruchtige, rassige und extraktreiche Weine ernten.

Die Mostgewichte lagen etwas niedriger als 2007, was zu einem geringeren Anteil an Spät- und Auslesen führte. Durch den um 20% geringeren Ertrag lagen die Extrakte jedoch ähnlich hoch wie im Vorjahr.

Das Hefelager bis Ende März, zum größten Teil im Holzfass, gab den Weinen zusätzlich Charakter und trug zu einer Harmonisierung von Frucht und Säure bei.

Insgesamt kann man sagen: Der 2008er ist ein klassischer Rieslingjahrgang mit viel Zukunft!

Das Weinjahr 2007

Der Jahrgang 2007 begann mit dem sonnigsten April, den wir je hatten. Dies führte zu der wohl seit Menschengedenken frühesten Traubenblüte. Der etwas feuchte und nicht zu heiße Sommer brachte reichlich Extrakte mit einer gut eingebundenen Säure.

Die gesunden Trauben hatten schon Ende September eine sehr gut Reife. Durch das ideale Wetter im Oktober ging die Lese ohne Hektik von statten und erstreckte sich bis in den November hinein. In jedem einzelnen Weinberg konnte die optimale Reife abgewartet werden. Im Durchschnitt beträgt die Reifezeit der Trauben zwischen Blüte und Ernte etwa 100 Tage. Bei uns betrug sie 2007 zwischen 130 und 170 Tagen. Dadurch hatten die Trauben viel Zeit, Aromastoffe einzulagern. Dies brachte besonders finessenreiche Weine hervor mit einem klassischen Rieslingcharakter.

Mitte Oktober gab es etwas Edelfäule und bei guter Wetterlage konnten diese Trauben ohne Zeitdruck ausgelesen werden. Der Jahrgang ist vielleicht mit 1971 vergleichbar, da der Anteil der edelfaulen Trauben klein war und die Säure trotz ausgezeichneter Reife recht markant war. Es sind Weine mit einer großen Zukunft.

Das Weinjahr 2006

Der Wetterverlauf war 2006 in jeder Beziehung extrem. Auf den heißesten Juli, den wir je hatten, folgte ein kühler, regnerischer August. Diese vermeintlich negative Periode hatte aber letztlich einen wichtigen Einfluss auf die Qualität des Jahrgangs. Sie bremste eine allzu frühe Reife und verlängerte die Vegetationsperiode. Danach folgte ein warmer und trockner September.

Nach dem Regen Anfang Oktober sind die steilen Weinberge mit hohem Schieferanteil wieder schnell abgetrocknet, sodass sich keine stauende Nässe gebildet hat. Daher konnte sich in den folgenden zwei trockenen Wochen eine edle Botrytis entwickeln. Durch das starke eintrocknen der Beeren hatten wir zwar große Mengenverluste (ca. 35 %), die Mostgewichte gingen jedoch entsprechend nach oben.

Da wir auch im sehr reifen Jahr 2006 die filigrane, finessenreiche und fruchtige Rieslingart erhalten wollten, war es besonders wichtig, die Trauben sehr schonend zu verarbeiten. Wir wollten einerseits die schöne Saftigkeit mitnehmen, ohne jedoch die Botrytis zu betonen. Die Weine mit den höchsten Oechslegraden hatten ebenfalls sehr gute Säurewerte, sodass der klassische Rieslingcharakter recht typisch erhalten blieb.